Allerdings ist es trotz des Leichterns der Bunker auch vier Schleppern bislang nicht gelungen, die "Mona Lisa" freizuschleppen. Weitere Informationen kann man im Internet finden.
Doch Vorsicht - wenn man mal all den Blödsinn, der voreilig wiedergegeben wurde und lediglich der Profilierungssucht bzw. der Sensationslust einiger Autoren entsprungen sein dürfte, in einem Artikel zusammenfasst, käme man zu folgenden "Fakten":
Das (innerhalb seines immerhin 42 jährigen Daseins) neunmal in Grundberührung gekommene Schiff ist mal 170, mal 173 m lang, befördert mal 747 Passagiere, dann wieder 900. Unfallursache war ein womöglich betrunkener griechischer Kapitän, der einer desweiteren osteuropäischen Schiffsführung vorstand und bei dem Versuch, den nahebei passierten Leuchtturm den Passagieren in eine bessere Photoperpektive zu rücken, ein fehlerhaftes Manöver fuhr (!). Eigentlich ursächlich ist aber natürlich die Ausflaggung des Schiffes unter Billigflagge.
Folgendes möchte man da richtigstellen:
Das Schiff ist bei 201,23m Länge ü. A. derzeit mit 26.678 BRT vermessen. (Angaben nach Kludas). Es kann derzeit 700 Passagiere in 389 Kabinen befördern. Das Schiff gehört einer griechischen Reederei namens Leonardo Shipping, die in Nassau registriert ist. Die nautische und technische Führung war - zumindest 2005 - griechisch. Weitere Offiziere sowie Seeleute stammten von den Philipinen, das Servicepersonal vornehmlich aus Osteuropa. Das Schiff macht seine erste Kreuzfahrt für den Reiseveranstalter "Lord Nelson Seereisen" aus Erkelenz. Abgesehen davon, daß sich die "Mona Lisa" unmitelbar davor in der Werft in den Niederlanden gefunden befunden hat, wo ihr ein guter Zustand bescheinigt wurde, war sie zuvor unter mehr oder minder gleicher Besatzung ununterbrochen im Einsatz ohne Haverien. Die letzten zwei oft zitierten Haverien vor Venedig und in Spitzbergen fanden unter der Führung eines deutschen Kapitäns statt.
Irgendein Fehler muß passiert sein, sonst wäre das Schiff nicht aufgelaufen. Ob das Argument, daß der Wachhabende Offizier das Schiff photowütigen Passagieren zu Gefallen vom Kurs abgebracht habe, um den vollkommen reizlosen modernen Leuchtturm besser photographieren zu können auch nur einen Funken Wahrheit enthalten kann, ist fraglich. Die "Mona Lisa" ist eines der wenigen noch existenten Kreuzfahrtschfife, das eine wunderbare umlaufenden Promenade besitzt. Insofern kann jeder Passagier ungehindert in jede Richtung photographieren.
Was den angeblichen Alkoholgenuß betrifft, so kann ich nur sagen, daß im Jahr 2005 die griechische Schiffsführung das Schiff überaus behutsam, gekonnt und verantwortungsbewußt befehligte. Dies führte sogar zu Ärger bei Passagieren, als z. B. ein morsches Treibeisfeld mit extrem gedrosselter Geschwindigkeit durchfahren wurde, um unter keinen Umständen eine Beschädigung des Rumpfes zu riskieren. An und Ablegemanöver wurden überaus ruhig und sachverständig durchgeführt. Wenn sich das Schiff in See befand, hatte es eine vielköpfige Brückenwache, die sich tatsächlich mit der Führung des Schiffes beschäftigte. Auf der Hurtigrute mußte ich in den Neuziger Jahren manchmal erleben, daß die alten Schiffe nur mit Autopilot fuhren, die Brückenbesatzung befand sich gel. für ganze Minuten im Kartenhaus oder sostwo, jedenfalls nicht auf der Brücke. Insofern frage ich mich schon, ob es gerecht ist, hier immer sofort mit wohlfeilen Vorurteilen bei der Hand zu sein.
Es wäre schön, wenn die Presse etwas sorgfältiger recherchierte und - auch wenn es den Sensationswert einer Meldung vielleicht etwas schmälert - nicht sofort jede denkbare Ursache für eine derartiges Geschehen in gedruckter Form wiedergäbe. Ein Ruf ist schnell ruiniert und auch bei einer Rehabilitation bleibt immer etwas hängen.
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